Die südkoreanische Finanzaufsicht Financial Services Commission und die Korea Securities Depository haben eine schrittweise Roadmap für die Emission, den Handel, das Clearing und die Abwicklung tokenisierter Aktien, Anleihen und Fonds vorgestellt. Die neuen Vorschriften sollen am 4. Februar 2027 in Kraft treten und die Grundlage dafür schaffen, dass traditionelle Wertpapiere in tokenisierter Form emittiert und gehandelt werden können.
Die Blockchain-Plattform Avalanche teilte mit, ihre Infrastruktur werde bei der Initiative eingesetzt, die sie als eines der größten staatlichen Tokenisierungsprojekte bezeichnete. Avalanche erklärte, Südkorea baue einen digitalen Kapitalmarkt auf, in dem traditionelle Wertpapiere letztlich onchain emittiert, gehandelt und abgewickelt werden könnten.
Das Dokument der FSC beschreibt jedoch einen schrittweisen Aufbau der erforderlichen Infrastruktur und keine unmittelbare Verlagerung des gesamten Kapitalmarkts auf eine Blockchain.
FSC-Vizevorsitzender Kwon Dae-young sagte:
„Wir werden nicht zulassen, dass tokenisierte Wertpapiere lediglich ein Instrument für fraktionierte Investments bleiben. Mit einem strategischen, schrittweisen Ansatz werden wir die Grundlage für die Emission und den Handel traditioneller Finanzprodukte wie Aktien, Anleihen und Fonds in tokenisierter Form schaffen.“
Kwon sagte, die Behörden wollten Emission, Handel, Clearing, Abwicklung und die Ausübung von Anlegerrechten innerhalb eines einzigen digitalen Marktes verbinden.
Dreistufiger Tokenisierungsplan
Die erste Phase soll private Geldmarktfonds für institutionelle Anleger, privat platzierte Unternehmensanleihen für institutionelle Anleger, über ein Treuhandmodell emittierte nicht öffentliche Aktien sowie öffentlich angebotene Teilanlagewertpapiere umfassen.
Südkorea plant zudem Pilotprojekte zur Tokenisierung börsengehandelter Aktien unter Beteiligung der Korea Exchange. Die Aufsicht erklärte, sie werde bei der Entwicklung ihres Ansatzes die Erfahrungen aus Pilotprogrammen der New York Stock Exchange und der Nasdaq berücksichtigen.
In der zweiten Phase soll die Tokenisierung auf öffentlich angebotene Wertpapiere ausgeweitet werden. In der dritten Phase planen die Behörden den Aufbau einer Onchain-Zahlungsinfrastruktur, die es Stablecoins ermöglichen würde, tokenisierte Wertpapiere abzuwickeln. Die Roadmap nennt keinen genauen Zeitplan für die zweite und dritte Phase.
Lizenzen und Anlegerlimits
Südkorea plant nicht, eine separate Lizenz für tokenisierte Wertpapiere einzuführen. Unternehmen mit den einschlägigen Makler- oder Handelslizenzen sollen die Vermögenswerte im Rahmen ihrer bestehenden Genehmigungen verwalten dürfen. Für außerbörsliche Handelsplätze sind zusätzliche Konsultationen mit der Finanzaufsicht geplant.
Die jährlichen Nettokäufe von Privatanlegern in tokenisierten Wertpapieren auf einem einzelnen außerbörslichen Handelsplatz sollen auf 100 Millionen Won oder rund 74.000 US-Dollar begrenzt werden.
Die FSC plant außerdem Anforderungen für Unternehmen, die Konten von Inhabern tokenisierter Wertpapiere eigenständig führen wollen. Diese Unternehmen müssten über mindestens 4 Milliarden Won beziehungsweise 2,97 Millionen US-Dollar an Eigenkapital sowie Fachkräfte für Kontoführung, interne Kontrollen und Informationstechnologie verfügen.
Die Aufsicht plant, bis Ende September 2026 Änderungen an nachrangigen Vorschriften auszuarbeiten. Die Korea Securities Depository und Finanzunternehmen sollen die notwendige Infrastruktur vor Beginn der ersten Phase im Februar 2027 aufbauen.
Quelle: HODL Press
