Corporate Europe Observatory und LobbyControl erklärten, dass Technologieunternehmen nach der Vorstellung des Digital-Omnibus-Pakets der EU durch die Europäische Kommission im November 2025 Änderungen daran betrieben hätten.
Die Forscher erfassten 655 Treffen von Mitgliedern des Europäischen Parlaments mit Lobbyisten, an denen in 83% der Fälle Unternehmensvertreter beteiligt waren.
Die vorgeschlagenen Änderungen könnten KI-Unternehmen erlauben, personenbezogene Daten von Europäern umfassender zur Schulung und zum Betrieb von Modellen zu nutzen, ohne eine gesonderte Einwilligung der Nutzer einzuholen.
Corporate Europe Observatory und LobbyControl veröffentlichten eine Untersuchung über die Lobbyarbeit großer Technologieunternehmen nach dem Vorschlag der Europäischen Kommission vom November 2025 zur Vereinfachung der EU-Digitalregulierung. Den Forschern zufolge könnten von Google, Meta, OpenAI und anderen Unternehmen angestrebte Änderungen deren Möglichkeiten ausweiten, personenbezogene Daten von Europäern zur Schulung und zum Betrieb künstlicher Intelligenz ohne gesonderte Einwilligung der Nutzer zu verwenden.
Die Europäische Kommission stellte den Digital Omnibus vor als Maßnahme zur Vereinfachung der Digitalregulierung. Bürgerrechtsgruppen und europäische Regulierungsbehörden kritisierten jedoch vorgeschlagene Änderungen an der Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO.
Im Oktober 2026 einigte sich der Rat der EU laut den Autoren der Untersuchung auf eine Verhandlungsposition, die eine weitere Abschwächung einiger DSGVO-Bestimmungen vorsieht.
Lobbyarbeit rund um den Digital Omnibus
Die Forscher analysierten Dokumente aus Anfragen nach Informationsfreiheit, Parlamentsdaten und Lobbyregistern. Sie identifizierten nach November 2025 655 Treffen von Mitgliedern des Europäischen Parlaments mit Lobbyisten zum Digital Omnibus. An 83% dieser Treffen nahmen Unternehmensvertreter teil, während Organisationen der Zivilgesellschaft und Gewerkschaften 11% ausmachten.
Google führte der Untersuchung zufolge 21 Treffen mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments, Meta 19 und Apple neun.
Die deutsche Regierung führte zwischen Mai 2025 und September 2026 85 Treffen unter Beteiligung von Vertretern von 11 außereuropäischen Technologieunternehmen. Google, Microsoft, Amazon und OpenAI waren nach Angaben der Forscher die aktivsten Unternehmen.
OpenAI-Chef Sam Altman führte über einen Zeitraum von vier Monaten fünf Treffen mit hochrangigen deutschen Regierungsvertretern. Der genaue Inhalt dieser Gespräche ist weiterhin unbekannt.
Der Analyse zufolge kontaktierte der Meta-Vertreter Martin Ruby im März 2026 einen dänischen Beamten wegen der möglichen Streichung einiger von der Europäischen Kommission vorgeschlagener Änderungen. Im April äußerte ein Google-Lobbyist ebenfalls Bedenken gegen den Ausschluss der Bestimmung zum berechtigten Interesse für KI.
Der Untersuchung zufolge spielten Deutschland und Irland eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung von Bestimmungen, die für die Technologiebranche günstiger sind.
Mögliche Auswirkungen auf die Nutzung personenbezogener Daten
Eine zentrale Bestimmung betrifft die Nutzung personenbezogener Daten auf Grundlage eines „berechtigten Interesses“ nicht nur zur Schulung von KI-Modellen, sondern auch zum Betrieb von KI-Systemen.
Die Digitalrechtsgruppe noyb warnte:
„Derzeit wird vorgeschlagen, dass Unternehmen bei der Nutzung personenbezogener Daten ‚im Kontext von KI‘ grundsätzlich praktisch alles tun dürfen. Die kommerziellen Interessen von KI-Unternehmen sollten grundsätzlich Vorrang vor den Grundrechten der Nutzer haben.“
Eine weitere vorgeschlagene Änderung würde ermöglichen, dass bestimmte pseudonymisierte Daten bei der Übermittlung an Dritte außerhalb des Anwendungsbereichs der DSGVO fallen. Kritiker befürchten, dass Datenhändler diese Bestimmung ausnutzen könnten.
Die Technologiebranche argumentiert, die Reform sei notwendig, um die Regulierung zu vereinfachen und die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen KI-Markts zu verbessern.
Die vorgeschlagenen Änderungen sind noch nicht in Kraft getreten. Das Europäische Parlament wird voraussichtlich Anfang 2027 seine Position festlegen, worauf weitere Gesetzgebungsverhandlungen folgen werden.
Der AI Act der EU, bekannt als KI-Gesetz, trat Anfang August 2026 in Kraft.
Quelle: HODL Press
